Resilienzförderung am Beispiel der Ersten-Hilfe
Sabine Hagen • 18. Mai 2022
Seit fast fünf Jahren begleitet das Igelchen mit seinen Freunden unsere Familie. Die Kuscheltiere der Jungs sind übersät mit Pflastern, es hängen Turnbeutel oder Magnete mit der 112, einem Feuerwehrauto oder einem Krankenwagen darauf an den Türen. Sogar das Igelchen (in dreifacher Ausfertigung) höchst persönlich sitzt griffbereit und ist schnell zur Stelle, wenn es einmal einen Einsatz gibt. Weshalb? Es gibt ein Geheimfach mit Pflastern. Das Projekt Pflasterpass® ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Was? Hä? Pflasterpass®? Pflaster? Geheimfach?
Genau. :-)
Im Folgenden Blogbeitrag möchte ich euch einmal die sieben häufigsten Fragen rund um die Pflasterpass gGmbH und das Projekt Pflasterpass -Wissen kann Leben retten® beantworten und erklären, was das alles mit Resilienz zu tun hat.
1. Was ist das Projekt Pflasterpass -Wissen kann Leben retten® überhaupt?
Mit dem Projekt: „Pflasterpass® – Wissen kann Leben retten“, möchten wir 4- bis 8-Jährige an
das Thema: "Erste Hilfe für Kinder" heranführen, sie für die Gefahren in Heim, Schule und
Freizeit sensibilisieren und ihnen die altersgerechten Grundlagen der Ersten Hilfe vermitteln.
Denn, alle 18 Sekunden verletzt sich in Deutschland ein Kind bei einem Unfall so schwer, dass
es ärztlich versorgt werden muss!
2. Wer sind das Igelchen und seine Freunde?
Eigens für die Pflasterpass® Erste-Hilfe Kurse für Kinder, wurde eine einzigartige Erzähl- und
Bilderwelt geschaffen. Somit gibt es nicht nur einen einheitlichen Auftritt mit einer Szenerie
in den KiTas und Grundschulen, sondern das ganze Bildmaterial ist immer an die “Welt” von
Igelchen und seinen Freunden angelehnt. Igelchen und seine Freunde sind wie unsere Kinder, sie stehen stellvertretend für sie und haben auf Grund der speziellen Auswahl und Charakterbeschreibung ein hohes Identifikationspotential. Genau, wie in der realen Welt, gibt es in der gestalteten Bilder- und Erzählwelt von Pflasterpass®, Größere und Kleinere, Alte und Junge und alle haben auch noch einen unterschiedlichen Lebenshintergrund. Durch diese Erzähl- und Bilderwelt ist das Projekt konfessionslos und multikulturell. Das Igelchen, Eva das Luchsmädchen, Harry der Dachs, der weise Uhu, Emmy Buschelschwanz das Eichhörnchen, die Mäusefamilie mit Vater Egidius, Mutter Fine und Percy, der immer nur Pinsel genannt wird – weil er so gut mit seiner Schwanzspitze malen kann, Diggie der Maulwurf, die Erlenzeisigmama Bella und Lui der Bieber (Thema: Wassersicherheit für Kinder) sensibilisieren die Kinder für das Thema: Erste Hilfe und veranschaulichen Unfallprävention altersgerecht.
3. Erste-Hilfe Grundlagen für Kinder. Geht das?
Viele haben es live vor dem heimischen Fernseher miterlebt: Der Herzstillstand des dänischen Fußballspielers Christian Eriksen bei der Fußball-EM 2021. Laut aktueller Studie der Uniklinik Ulm „zeigt, dass die Suche nach den Ursachen vor allem bei jüngeren Personen schwierig sein kann. Pro Jahr erleiden in Deutschland laut der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie 65.000 Menschen einen plötzlichen Herzstillstand. Die ersten Minuten sind hierbei die entscheidenden. Viele Kinder, so auch meine eigenen, haben diesen Moment im Fernsehen mitverfolgt und hatten Fragen. Was nun, wenn eine Person z. B. einen plötzlichen Herzstillstand erleidet, wenn ein Kind danebensteht oder in unmittelbarer Entfernung ist? Eine Pilotstudie aus Norwegen hat 2011 gezeigt, dass bereits Vierjährige in der Lage sind erlerntes Wissen über die Erste-Hilfe in Notsituationen anzuwenden und richtig zu handeln. Projekte oder Konzepte wie „KIDS SAVE LIVES“, „Prüfen – Rufen – Drücken“ und Pflasterpass® unterstützen hierbei diese Entwicklung. Bereits im Kindergartenalter können die ersten Grundlagen der Ersten Hilfe erlernt werden.
4. Was hat Pflasterpass® mit Resilienzförderung zu tun?
Der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan für Kindertageseinrichtungen beschreibt die Widerstandskraft, also die Resilienz, wie folgt: „Resilienz ist die Grundlage für positive Entwicklung, Gesundheit, Wohlbefinden und hohe Lebensqualität sowie der Grundstein für einen kompetenten Umgang mit individuellen, familiären und gesellschaftlichen Veränderungen und Belastungen. […] Resilienz zeigt sich erst dann, wenn riskante Lebensumstände vorliegen und es dem Kind gelingt, diesen zu trotzen, besondere Bewältigungs- und Anpassungsleistungen zu erbringen und sie erfolgreich zu meistern. Erscheinungsformen von Resilienz sind insbesondere:
• Positive, gesunde Entwicklung trotz andauernd hohem Risikostatus (z. B. Armut, psychische Erkrankung eines Elternteils, eigene chronische Erkrankung oder Behinderung)
• Beständige Kompetenz auch unter akuten Stressbedingungen, die kritische Lebensereignisse (z. B. elterliche Trennung und Scheidung, Wiederheirat eines Elternteils) oder Lebensphasen erhöhter Vulnerabilität (vor allem Übergänge im Bildungsverlauf) auslösen
• Positive bzw. schnelle Erholung von traumatischen Erlebnissen (z. B. Tod eines Elternteils, sexueller Missbrauch, Kriegserlebnisse).“ (Bayerischer Bildungs-und Erziehungsplan, S. 69)
Die frühkindliche Bildung, die Arbeit innerhalb der Kindertageseinrichtungen und der -tagespflege fördert die Entwicklung und den Erwerb der Kompetenzen, die für die Ausgestaltung der Widerstandskraft wichtig sind. „Sie [die frühkindliche Bildung] führt Kinder auch an gesunde Lebensweisen und efiziente Bewältigungsstrategien im Umgang mit Veränderungen und Belastungen heran. Positives Bewältigungshandeln ist mit Lernprozessen verknüpft, bewirkt einen Zugewinn an Kompetenz, Wissen und Haltungen:
• Wahrnehmen von Bedingungen und Situationen, die einen belasten oder überfordern
• Erkennen der eigenen Gefühle und Reaktionen im Umgang mit solchen Situationen
• Kennenlernen und Einüben günstiger Bewältigungsstrategien
• Bewusstsein für ungünstiges Bewältigungsverhalten
• Einschätzen der subjektiven Belastung und der eigenen Bewältigungs- und Kontrollmöglichkeiten bei Auftreten kritischer Ereignisse
• Überzeugung, Ereignisse kontrollieren und beeinlussen zu können
• Begreifen von Belastung und Veränderung als Herausforderung und Chance für persönliche Weiterentwicklung
• Planung, Steuerung und Relexion der eigenen Gefühle und Reaktionen in Bewältigungsprozessen (Selbstmanagement)
• Fähigkeit, gefährdende Umwelteinlüsse zu erkennen und sich zu schützen.“ (Bayerischer Bildungs-und Erziehungsplan, S. 70)
Am Beispiel des Projektes Pflasterpass® und dem Thema der Ersten Hilfe werden bereits aus kleinen Retter große Helden. Die Kinder erfahren in den unterschiedlichen Kursen nicht nur, dass auch sie bereits helfen können, sondern gleichzeitig, wie sie ihre eigene Stärke als Helfer:in einsetzen können, um selbstbewusst, kompetent und stabil diese Situation zu meistern.
5. Wo gibt es Pflasterpass®?
Das Kurskonzept der Pflasterpass gGmbH ist bundesweit in knapp 60 Regionen buchbar. Die unterschiedlichen Standorte der Kursleiter:innen findet ihr auf der Website des Projektes (www.pflasterpass.de). In eurer Region gibt es noch keine:n Kursleiter:in? Nehmt gerne direkt Kontakt zu Frank Liehr auf, wenn ihr Interesse daran habt euch ausbilden zu lassen oder ihr als Träger von Kindertageseinrichtungen dieses Projekt innerhalb eurer Trägerschaft einführen möchtet. Für Bayern könnt ihr euch zusätzlich auch an enTable (www.entable.de) als Landesvertretung Bayern wenden. Für den Landkreis Erlangen-Höchstadt und den Großteil der Metropolregion Nürnberg wendet euch gerne an mich. Hier bin ich als DEKRA-zertifizierte Kursleiterin eure Ansprechpartnerin. Schreibt mir gerne.
6. Wie kann ich einen Kurs buchen?
Über die Standortliste auf der Website des Projektes könnt ihr direkt den/die regionale:n Kursleiter:in finden und Kontakt aufnehmen. Nicht vergessen Infos wie Größe der Gruppe, Ort, Ansprechpartner:in, Art des Kurses (Bronze, Silber, Gold, Hygiene, Kindergeburtstag) und Kontaktmöglichkeit(en) anzugeben.
7. Gibt es Materialien, die ich in der Kita oder zu Hause verwenden kann?
Klar, es gibt eine Vielzahl an möglichen Materialien, die ihr zu Hause mit euren Kindern, oder in der Kita/Grundschule mit den Kindern verwenden könnt. In einer eigenen Eltern- & Kinderecke auf der Website findet ihr nicht nur Malvorlagen oder Rezepte aus den Igelchen-Büchlein. Es gibt zusätzlich noch einen Wissenstest für Kinder, den ihr online machen könnt. Übrigens, falls eure Kita die App Polylino verwendet, habt ihr Zugriff auf unterschiedliche Büchlein vom Igelchen und seinen Freunden. Super, oder? Und wer eine kleine Überraschung für die kleinen Osternester benötigt, unter www.igelchenwelt.de findet ihr u. a. das Igelchen als Plüschtier. Dann zieht vielleicht auch ein Oskar, Plüschi, Charlotte oder einfach „das Igelchen“ bei euch ein. :-)
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Quellen:
https://www.deutschesgesundheitsportal.de/2021/10/01/ploetzlicher-herzstillstand-65-000-menschen-pro-jahr-in-deutschland-betroffen/
Effects of first aid training in the kindergarten - a pilot study | Scandinavian Journal of Trauma, Resuscitation and Emergency Medicine | Full Text
www.pflasterpass.de
https://www.ifp.bayern.de/imperia/md/content/stmas/ifp/bildungsplan_7._auflage.pdf

Mit Bayern sind jetzt auch die letzten Kinder und pädagogischen Fachkräfte ins neue Bildungsjahr gestartet – und damit ist ganz Deutschland wieder in diesem Moment angekommen, den ich jedes Jahr aufs Neue spannend finde: Neuanfang auf der einen Seite, und auf der anderen die immergleiche Frage, wie es eigentlich um unser Bildungssystem steht. Ich führe in dieser Zeit viele Gespräche mit Kitaleitungen, Trägern, Fachkräften. Und fast immer taucht früher oder später derselbe Satz auf: "Spart das Zeit?" Das ist der eigentliche Aufhänger, wenn nach einer Kita-App oder einem neuen Tool gesucht wird. Nicht Pädagogik. Nicht Qualität. Zeit. Nur: Zeitersparnis ist subjektiv und relativ. Die Einführung einer App kostet erst einmal Zeit, bevor sie überhaupt beginnt, welche einzusparen. Und dann steht die eigentliche Frage im Raum, die viel zu selten gestellt wird: Wo genau soll welche Zeit eingespart werden – und bei wem? Genau an dieser unbeantworteten Frage entzünden sich für mich auch die zwei Lager, in denen wir uns in der Digitalisierungsdebatte immer wieder wiederfinden. Die einen wollen in der Digitalisierung das Allheilmittel sehen, die anderen befürchten, dass wir dabei genau das verlieren, was Pädagogik eigentlich ausmacht. Beide reden über Technik. Kaum jemand redet darüber, wessen Zeit an welcher Stelle eigentlich entlastet werden soll.

Die erste Welle der Empörung über die neuen PISA-Ergebnisse ebbt langsam ab. Schlagzeilen wurden gedruckt, politische Schuldzuweisungen ausgetauscht und Zeigefinger geschwenkt. Wie alle paar Jahre. Doch wenn der Nebel der ersten Aufregung sich lichtet, bleibt eine unbequeme Wahrheit stehen. Ich selbst war 14 Jahre alt, als 2000 die allererste PISA-Studie durchgeführt wurde. Es war der Moment, der als „PISA-Schock“ durch Deutschland ging – das erste Mal hielt uns eine Studie den Spiegel vor und zeigte ungeschönt, was in unserem Bildungssystem tatsächlich passiert. Natürlich waren mir die politischen Ergebnisse und Statistiken mit 14 Jahren noch nicht in ihrer vollen Tragweite bewusst. Aber was es in der Praxis bedeutete, habe ich am eigenen Leib gespürt: Ich weiß aus eigener Erfahrung nur zu gut, wie es ist, wenn man zu Hause nicht die Unterstützung erfährt wie andere und man sich selbst durchbeißen muss.

Deutschland steckt in einer Kita-Krise: Hundertausende Erzieher:innen fehlen bundesweit. Dieser dramatische Fachkräftemangel überlastet nicht nur die verbliebenen Fachkräfte, sondern gefährdet auch die Gesundheit und Bildung unserer Kinder. Je mehr Kinder von einer einzelnen Fachkraft betreut werden müssen, desto weniger Zeit bleibt für individuelle Förderung – ein entscheidender Faktor für die Entwicklung unserer Kleinsten. Die Abwärtsspirale: Überlastung führt zu noch mehr Ausfällen Die Folgen sind alarmierend: Kinder in überfüllten Gruppen erkranken häufiger, und überarbeitete Erzieher:innen melden sich krank. Das führt zu einer Abwärtsspirale – die Qualität der Betreuung sinkt weiter. Langfristig bedeutet das schlechtere Bildungschancen, weniger soziale Förderung und höhere gesellschaftliche Kosten und ein #BildungsCrash mit Ansage. Eltern spüren diese Krise täglich: Sie müssen die Betreuungslücken füllen, was zu mehr Stress und finanziellen Belastungen führt: Sinkende Betreuungsqualität: Wenn eine Fachkraft zu viele Kinder gleichzeitig im Blick behalten muss, verkommt der Bildungsauftrag zur reinen "Verwahrung". Pädagogische Angebote fallen als Erstes weg. Steigender Krankenstand: Die verbliebenen Erzieher:innen arbeiten permanent an der Belastungsgrenze. Die Folge: Überarbeitete Fachkräfte melden sich häufiger krank, was den Druck auf das verbleibende Team weiter erhöht. Höheres Infektionsrisiko: In überfüllten, unterbesetzten Gruppen steigt nachweislich auch die Infektionsrate bei den Kindern – ein Teufelskreis aus Krankheitswellen beginnt. Ein umfassender Bericht des Recherchezentrums CORRECTIV zeigte bereits Ende 2023 das ganze Ausmaß dieser Krise auf und machte deutlich: Wir steuern sehenden Auges auf einen bildungspolitischen Kollaps zu. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kosten Die Kita-Krise ist längst kein reines "Kita-Thema" mehr, sondern belastet die gesamte Gesellschaft: Schlechtere Bildungschancen: Frühkindliche Bildung legt das Fundament für die spätere Schullaufbahn. Fehlt diese Basis, drohen langfristig weniger soziale Förderung und höhere gesellschaftliche Folgekosten. Enormer Druck auf Eltern: Eltern spüren diese Krise täglich am eigenen Leib. Spontane Kita-Schließungen oder verkürzte Öffnungszeiten bedeuten, dass Eltern Betreuungslücken im Alltag selbst füllen müssen. Das führt zu permanentem Stress, mentaler Überlastung und nicht selten zu finanziellen Einbußen, wenn Arbeitszeiten reduziert werden müssen. Der Ausweg: Drei Hebel gegen den Kollaps Die Krise ist akut, aber sie ist nicht unlösbar. Um das System nachhaltig zu stabilisieren, muss an drei wesentlichen Stellschrauben gedreht werden: 1. Offensive in der Ausbildung Die Ausbildung zur Erzieherin / zum Erzieher muss attraktiver und finanziell vergütet werden. Hürden für Quereinsteiger müssen sinken, ohne dabei die pädagogischen Standards zu untergraben. 2. Verbesserung der Arbeitsbedingungen Bessere Personalschlüssel, Entlastung von bürokratischen Aufgaben durch Verwaltungskräfte und eine faire, leistungsgerechte Bezahlung sind der Schlüssel, um Fachkräfte im Beruf zu halten. Für interne Herausforderungen oder Ideen habe ich die Kita Canvas entwickelt. Hier geht's zum Blogbeitrag . 3. Konsequente Investitionen der Politik Jeder Euro, den wir heute in die frühkindliche Bildung investieren, spart der Gesellschaft in der Zukunft ein Vielfaches an Reparaturkosten. Die Politik auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene muss endlich echte Verantwortung übernehmen und die Krise mit oberster Priorität bewältigen. Fazit: Es ist eine Investition in unser aller Zukunft Wenn wir heute nicht handeln, riskieren wir die Zukunft einer ganzen Generation. Eine starke Wirtschaft und eine gesunde Gesellschaft funktionieren nur mit einem stabilen Fundament – und dieses Fundament wird in unseren Kitas gelegt.

Frühkindliche Bildung ist mehr als Betreuung: Sie ist der erste Schritt zu Chancengleichheit, Resilienz und den Kompetenzen, die wir in einer mehr und mehr digitalen Welt dringend brauchen. Die Grundlagen für New Work, Future Skills und Sozialkompetenzen werden bereits in den ersten Lebensjahren gelegt. Doch wir stehen vor einer großen Herausforderung: Der aktuelle #BildungsCrash beeinflusst die Entwicklung unserer Kinder nachhaltig. Wie jüngst im Spiegel berichtet, fehlen gerade in Westdeutschland massiv Kitaplätze, und der Personalnotstand verschiebt sich zunehmend in die Grundschulen. Immer mehr Kinder erhalten nicht die Förderung, die sie für einen erfolgreichen Bildungsweg brauchen. Diese Entwicklung ist fatal – denn digitale Kompetenzen, Kreativität und soziale Fähigkeiten werden bereits in der frühen Kindheit, auch durch die Kitas, angelegt. Technologische Innovationen wie u. a. Googles Veo 3 zeigen, wie schnell sich Arbeits- und Lebenswelten verändern. Die Digitalisierung erfordert nicht nur technische, sondern vor allem soziale und kognitive Fähigkeiten: Empathie, Resilienz und die Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen. Diese „Future Skills“ werden in Kitas bereits gefördert – doch wir müssen sie erkennen, wertschätzen und weiterentwickeln. Die digitale Transformation mag manchmal überwältigend wirken – vor allem, wenn die Rahmenbedingungen nicht ideal sind. Doch inspirierende Veränderung beginnt im Kleinen: Schon ein kurzer Austausch im Team, ein gemeinsames Ausprobieren neuer Ideen oder das Teilen von Erfolgsgeschichten kann viel bewirken. Es geht nicht darum, alles auf einmal zu schaffen. Jeder kleine Schritt zählt und inspiriert andere. Was bedeutet das für Politik und Eltern? Politik: Setzen Sie auf nachhaltige Bildungsreformen, mehr Personal und eine bessere Ausstattung – und zwar jetzt, nicht erst in zehn Jahren. Eltern: Unterstützt eure Kinder dabei, neugierig zu bleiben und digitale Tools als Werkzeuge zu begreifen. Die digitale Transformation ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Lasst uns die Chancen nutzen, die in frühkindlicher Bildung und innovativer Technologie stecken. Wir brauchen mehr Mut zu Reformen, mehr Investitionen in die Jüngsten – und eine neue Aufmerksamkeit für dieses Zukunftsthema. 💛

Juli 2025 Der Übergang vom Sommer zum Herbst ist traditionell eine Zeit des Umbruchs in der Kitawelt. Während in einigen Bundesländern die wohlverdienten Sommerferien beginnen, startet andernorts bereits das neue Kitajahr. Es ist die perfekte Phase, um innezuhalten, zu reflektieren und Liegengebliebenes neu zu sortieren. Doch im Kita-Alltag stehen Teams bei Veränderungen oft vor einer metaphorischen Pfütze. Die Frage, die sich dann stellt: Bleiben wir zögernd davor stehen oder wagen wir den Sprung? Kinder überlegen nicht lange – sie nehmen Anlauf und springen mutig hinein. Genau diese kindliche Neugier und diesen Mut brauchen wir auch, wenn wir Kitas zukunftsfähig gestalten wollen. Veränderungen fühlen sich manchmal riesig an. Aber sie beginnen immer mit dem ersten Schritt, mit einem kleinen Sprung – und auch mal mit nassen Füßen. In einer meiner letzten Podcast-Folgen des KI.taqualität® - der Podcast haben es Anja Zettel und Kathrin Stojakovic sehr gut auf den Punkt gebracht und uns an ihrem Sprung in die Pfütze teilhaben lassen: Den Mut, KMK kinderzimmer von einer zentralen zu einer dezentralen Organisation zu entwickeln. Oder, in meinem gern herangezogenen Vergleich mit der Pflanzenwelt: „Die Pflanze sagt ja auch nicht, zack, isch bin feddisch – sondern sie wächst. Erst mit zwei kleinen Blättern, dann immer größer.“ Schritt für Schritt werden aus kleinen Anpassungen große Fortschritte – wie bei der Pflanze, die erst zwei Blätter hat und dann immer mehr wächst. Veränderungen im Team brauchen Zeit, Geduld und manchmal ein bisschen Mut – so wie beim Hineinspringen in eine Pfütze. Jeder Sprung und jedes kleine Blatt zeigen: Wir entwickeln uns weiter. Drei Impulse für Ihr „erstes kleines Blatt“ morgen Sie müssen nicht sofort die gesamte Struktur Ihrer Kita auf den Kopf stellen. Inspirierende Veränderung gelingt am besten durch Mikro-Schritte. Stellen Sie sich im Team folgende Fragen: Wo blockieren wir uns selbst aus Angst vor Fehlern? Wo stünde uns etwas mehr „kindlicher Pfützen-Mut“ gut zu Gesicht? Was ist das kleinste denkbare Projekt? Welches „erste Blatt“ können wir diese Woche pflanzen, ohne das Team zu überfordern? Wie feiern wir kleine Fortschritte? Schauen wir nur auf das Endziel oder schätzen wir bereits das Wachstum der ersten zwei Blätter? Fazit: Jeder Sprung zeigt Entwicklung Veränderungen im Team brauchen Zeit, Geduld und manchmal ein bisschen Mut. Doch jeder Sprung und jedes neue Blatt beweisen: Wir bleiben nicht stehen, wir entwickeln uns weiter. Jetzt sind Sie dran: Wo möchten Sie morgen den ersten Sprung wagen? Was könnte das „erste kleine Blatt“ in Ihrer Kita oder Ihrer Organisation sein?

10 Jahre Kita-Digitalisierung: Von der „WhatsApp-Gruppe aus der Hölle“ zu echter Transformation Hätten Sie gedacht, dass wir vor genau zehn Jahren noch darüber diskutiert haben, ob Kitas überhaupt eine digitale Infrastruktur brauchen? Als ich vor einer Dekade mit dem Traum begann, eine eigene Kita-App zu entwickeln, war die Rückmeldung aus den Einrichtungen ehrlich, direkt und ernüchternd: „Brauchen wir nicht, dafür haben wir doch eine WhatsApp-Eltern-Gruppe.“ Heute wissen wir: Diese privaten Gruppen haben ihren ganz eigenen Ruf weg – manche nennen sie nicht ganz unberechtigt die „WhatsApp-Gruppe aus der Hölle“. Doch sie waren damals der erste, pragmatische Versuch, Kommunikation zu beschleunigen. Seit diesem Startschuss begleite ich die digitale Transformation in Kitas in ganz unterschiedlichen Rollen: von der Geschäftsführung in Kitas über die Prozessbegleitung bei der Digitalisierung bis hin zu meiner heutigen Position. Nach über 10 Jahren in diesem Bereich steht für mich eine Erkenntnis felsenfest: Digitalisierung ist kein Hexenwerk. Es sind die kleinen, mutigen Schritte, die den echten Unterschied im Alltag machen . Warum Digitalisierung in der Kita nichts mit „Dauerstrom“ zu tun hat Viele Teams schrecken vor digitalen Tools zurück, weil sie befürchten, noch mehr Zeit vor Bildschirmen zu verbringen oder permanent erreichbar sein zu müssen. Doch das Gegenteil sollte das Ziel sein. Ein Satz, den ich in den letzten Jahren immer wieder geprägt habe, lautet: „Digitalisierung heißt nicht Dauerstrom, sondern öfter mal kurz durchatmen und neu starten.“ Es geht nicht darum, bewährte pädagogische Arbeit durch Technik zu ersetzen. Es geht darum, durch schlaue Prozesse Freiräume zu schaffen – für Teams, für Eltern und vor allem für das Wichtigste: die Kinder. 3 Learnings aus 10 Jahren digitaler Transformation in Kitas Wenn ich auf die letzten zehn Jahre zurückblicke, lassen sich die Erfolgsfaktoren für eine gelungene Digitalisierung in drei Kernpunkte zusammenfassen: 1. Der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht das Tool Die beste Software nützt nichts, wenn das Team nicht abgeholt wird. Digitalisierung in der Kita ist zu 80 % Change Management und Kommunikation und nur zu 20 % Technik. Vorbehalte müssen ernst genommen und Ängste abgebaut werden. 2. Klein anfangen, statt das große Ganze zu erzwingen Man muss nicht von heute auf morgen die gesamte Verwaltung, die Entwicklungsdokumentation und die Elternkommunikation umstellen. Wer mit einem kleinen, spürbaren Erfolgserlebnis startet (z. B. der digitalen Abwesenheitsmeldung der Kinder), nimmt das Team automatisch mit. 3. Entlastung muss spürbar sein Digitale Tools dürfen keine Zusatzaufgabe sein, sondern müssen Arbeit abnehmen. Wenn die Zettelwirtschaft aufhört und Infos Eltern direkt und DSGVO-konform erreichen, wird der Mehrwert sofort für alle sichtbar. Dieses 10-jährige Jubiläum ist für mich kein Grund, mich auszuruhen, sondern der perfekte Zeitpunkt, um frisch durchzuatmen und neu zu starten. Danke an alle Kitas, Träger und Wegbegleiter, die diesen Weg in den letzten 10 Jahren mit mir gegangen sind!

Bereits 2018 war ich im Austausch mit Bundestagsabgeordneten zum Thema Digitalpakt Kita. Kurzzeitig aufgegriffen, dann wieder verworfen, denn: Wer ist eigentlich zuständig? Mittlerweile haben Bildung und der frühkindliche Bereich zumindest das gleiche Haus auf Bundesebene im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, doch geändert hat sich wenig. Außer ein 4 Mrd. € Sondervermögen für Hochschulen vs. Kitas. Was wir in den ersten 6 Lebensjahren verpassen, holen wir nicht mehr auf. Das ist keine Meinung — das ist wissenschaftlicher Konsens. Und trotzdem behandeln wir Kitas wie eine Aufbewahrungsstelle, die man gelegentlich mit WLAN ausstattet, wenn gerade Geld übrig ist. Ich nenne das nicht Pech. Ich nenne das strukturelle Bildungsvergessenheit. Der #BildungsCrash ist kein Zufall. Er ist eine Folge von Entscheidungen. Jan-Martin Wiarda schreibt das Anfang März ganz treffend in seinem Blogbeitrag zur Verteilung des Sondervermögens: „Hier manifestiert sich ein gesellschaftlicher Trend, dessen Existenz sich immer weniger verleugnen lässt. Eine alternde Gesellschaft interessiert sich immer weniger für ihre eigene Zukunft, sprich: die immer kleiner werdende junge Generation." Das ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis eines strukturellen Ungleichgewichts: Hochschulen sind politisch besser organisiert. Kitas sind fragmentiert, unterfinanziert — und haben keine Lobby, die auf Augenhöhe spricht. Wer in den ersten Lebensjahren nicht investiert, investiert später das Dreifache — in Förderung, Therapie, Nachholen. Das ist kein Meinung. Das ist Bildungsökonomie. Der #BildungsCrash ist kein Zufall. Er ist eine politische Entscheidung. Und ich weigere mich, so zu tun, als wäre das normal. „Christian" war 2022 der meist verbreitete Name unter Vorständen, mein Blogbeitrag hierzu vom 20. Mai aktueller denn je.



